Grün und Grau am Schrecksee

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SchreckseeDas Wetter hätte besser sein können. Aber auch schlechter – und im Sommer 2009 darf man sich ja eigentlich nicht beschweren, wenn es mal gerade nicht regnet. Gute Voraussetzungen also für eine hochalpine Wandertour in den Allgäuer Alpen (zur Tourenbeschreibung).
Sonntag Mittag saßen wir also auf 1813 m und genossen die eindrucksvolle Ruhe am Schrecksee. Nach 1100 bewältigten Höhenmetern im Aufstieg wäre Thorsten am liebsten direkt in den See gesprungen, aber dazu luden die wenig sommerlichen, gefühlten 15 Grad mit Wind dann doch nicht ein. Außerdem ist der Hochgebirgssee das ganze Jahr über eisig kalt. Neben der Stille sind es vor allem die vielen verschiedenen grünen Farben, die diesem Ort ihre Faszination verleihen. Die leuchtenden Wiesen mit der mannigfachen Alpenflora reichen bis an die steilen, grauen Wände der Berggipfel, die den See kesselförmig umrahmen. Fast beschützend türmen sich Älpelekopf, Lahnerkopf, Kastenkopf, Kirchendach und Kugelhorn zu den Seiten des Seeufers auf. Dennoch wirkt dieses Landschaftsbild schroff und karg, was nicht ganz untypisch ist für die Allgäuer Hochalpen – trotz des vielen Grüns, das dem Allgäu sonst seine „Lieblichkeit“ verleiht.

Eine Insel inmitten der Berggipfel

PfadInmitten des blaugrün schimmernden Wassers erhebt sich eine kleine Insel – eine Einzigartigkeit unter den Gebirgsseen. Nicht ganz so einzigartig, aber auch nicht weniger aufregend war unsere Begegnung mit zwei jungen Murmeltieren auf dem zweiten Hochplateau, die keck zwischen Grashalmen hindurch aus einer Erdmulde hervorlugten und sehr neugierig waren. Aber hier oben leben auch Gämsen, die sehr viel schneller und sehr viel anmutiger als wir über die Felsen die Hänge hinauf sprangen.
Nach einer Rast und zwei bis drei Energieriegeln brachen wir jedoch bald wieder auf und begannen mit dem Abstieg nach Hinterstein auf derselben Route, auf der wir gekommen waren. Am Schrecksee führt auch der Jubiläumsweg vorbei, der dem Gratverlauf nördlich des Hochvogels von der Prinz-Luitpold-Hütte bis zum Geißhorn folgt. Doch dies ist eine andere Geschichte. Der Weg schlängelt sich steil und meist auf Fels hinab ins Tal, über dem sich der mächtige Rauhhornzug erhebt. Wir laufen teils über Kies, teils über Geröll und an manchen Stellen über blanke Felsplatten. An zwei Stufen sind Drahtseile angebracht, die uns ein wenig mehr Sicherheit angesichts des steilen Hangs an unserer Seite boten. Nur ein kurzes Stück verlief geradewegs auf den Wiesen eines Hochplateaus mit der verfallenen Taufersalpe. Von dem Haus stehen nur noch die Grundmauern, zwischen denen ein wilder Garten gewachsen ist.

Hochalpine Pfade

Nach der Alpe verläuft der Weg wieder sehr steil, aber dafür nicht mehr am kargen Fels entlang, sondern durch einen dichten Nadelwald. Fast irritierte uns die Asphaltstraße am E-Werk ein bisschen, an die wir am Ende des Abstieges wieder gelangten. Auch die Einsamkeit dieser an diesem Tag wenig begangenen Tour war dahin. Andere Wanderer, Radfahrer und Besucher des Giebelhauses tummelten sich im Ostrachtal.
Uns blieb jedoch das eigene Erlebnis einer außergewöhnlich schönen Bergtour, die vermutlich gerade wegen des grauen Himmels über der kantigen Landschaft einen noch viel größeren Reiz ausübte. Sonne ist auch im Sommer nicht immer alles.

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