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ABS im Test: der P.RIDE Lawinenairbag

Sonne, Schnee und Berge: ideale Voraussetzungen, um einen Test mit dem neuen Lawinenairbag-System ABS P.RIDE zu wagen. Unser herzlicher Dank geht an die ABS Peter Aschauer GmbH. Deren Leihgabe ermöglicht es uns, ein brandneues Produkt unter die Lupe zu nehmen und unsere Erfahrungen mit euch Lesern zu teilen.

Aber gleich vorweg: Was heißt denn eigentlich P.RIDE? Proud Ride? Professional Ride? Partner Ride? Ganz klar: Partner Ride! Der ABS P.RIDE unterstützt durch ein speziell abgestimmtes Airbag-System den Sportler und all seine Gruppenmitglieder beim Lawinenabgang. Die Ursache für eine Lawinenverschüttung ist leider noch viel zu oft menschliches Versagen. Sprich: Der Airbag ist zwar vorhanden, wird aber nicht ausgelöst. Um dieses Risiko zu mindern, können Träger des ABS P.RIDE im Fall der Fälle nicht nur ihre eigenen Airbags aktivieren, sondern über Funkverbindung auch die ihrer Kameraden.

 

Der erste Eindruck: flexibler Rucksack-Baukasten mit bester Verarbeitung

Der Rucksack besteht aus einer Base Unit mit integrierter Technik und verschiedenen Zip-on-Bags. Auf diese Weise kann jeder das Packvolumen selbst bestimmen – was mich direkt überzeugt. In meinem Test war ein 18 l Zip-on an Bord, was für eine Tagestour absolut ausreichend ist. Für längere Unternehmungen (oder Sportler mit mehr Gepäck) sind auch Zip-ons in den Größen 32 l und 45+5 l verfügbar.

 

P.RIDE Base Unit mit 18l, 32l und 45+5l Zip-ons ©ABS-Lawinenairbags, Peter Aschauer GmbH

 

Die gesamte Airbag-Technik ist fest mit der Base Unit verbunden. Ohne das Zip-on ist alles sehr aufgeräumt und leicht zu erreichen. Auch neu bei ABS: Die Karbonkartusche ist fest mit dem Kopfteil verbunden. In dem Kopf befindet sich neben einer Zündpille (die in dieser Form auch bei Autoairbags verwendet wird) auch die Anstecheinheit, also die Nadel, mit der die Kartusche angestochen wird.

Einsetzen der Karbonkartusche

Man erhält also mit jedem Tausch beide Teile neu und geprüft zurück (Kostenpunkt: 30€). Die Karbonflasche wird nicht mehr geschraubt, sondern mit einem Schnappmechanismus befestigt. Das finde ich persönlich besser als ein Gewinde.

Aber halt, denkt sich mein Kopf, Schnee und Elektronik? Auch hieran wurde gedacht. Die entscheidenden Stellen sind komplett gegen Wasser und Staub abgedichtet. Sollte mal eine Wasserflasche im Rucksack auslaufen, hat dies keine Beeinträchtigung zur Folge. Der Kondensator wird durch den Akku permanent aufgeladen. Dadurch wird gewährleistet, dass immer genügend Energie für die Auslösung der Airbags zur Verfügung steht. Das Aufladen des Akkus wiederum ist ebenfalls unkompliziert: Beim Öffnen des Reißverschlusses am Schultergurt lacht mich das USB-Kabel direkt an.

Meine Lawinenschaufel, meine Sonde und das Erste-Hilfe-Set haben ein gesondertes Fach im Zip-on, das man schnell erreicht, ohne den gesamten Rucksack zu leeren. Damit im Inneren kein Stauraum verloren geht, hat der Rucksack natürlich eine externe Helmhalterung.

Des Weiteren fielen mir einige kleine Details auf, die ich bei meinem bisherigen Rucksack teilweise vermisst habe:

 

Vor der Tour: Wir testen das System auf Funktion

Nun geht es los zur Schneeschuhtour. Mein Testpartner und ich stehen gemeinsam auf dem Parkplatz, klappen gleichzeitig den Auslösegriff auf und die LEDs an selbigen beginnen zu blinken. Sieht auf den ersten Blick gleich verständlich aus, denn ABS hat hier dem Benutzer bekannte Farben aus dem Alltag verwendet.

Unsere Griffe leuchten grün und blau, es kann also losgehen. Zum Test entnehmen wir einem Rucksack die Karbonkartusche – prompt leuchtet das System rot auf. Also Kartusche wieder rein und los.

Wenn ich jetzt ziehe kann ich meinen Tourenpartner echt gut erschrecken… Ich muss mich zusammenreißen, diesen Gedanken nicht in die Tat umzusetzen. Witzig wäre es ja, aber dann wäre die Tour beendet, bevor sie begonnen hat.

 

Mit dem P.RIDE „on tour“

Beim Aufstieg geht mir der Prospekt des P.RIDE und die darin enthaltenen Informationen durch den Kopf. Der Vollständigkeit halber möchte ich hier einen Überblick geben:

In meinem 18 l Zip-on hatte ich am Gipfel alles dabei, was ich benötige. Ein frisches Oberteil, eine Vesper, ein kühles und ein heißes Getränk sowie eine frische Kopfbedeckung und trockene Handschuhe waren schnell erreichbar und somit konnte ich den herrlichen Ausblick genießen und die Aufstiegsstrapazen vergessen. Der Abstieg mit Schneeschuhen macht ja bekanntlich immer nur halb so viel Spaß, wie bei einer Skitour. Aber wenn der Tourenpartner nicht gerne im Tiefschnee fährt, muss man eben laufen 😉

 

Beim Auslösen des Rucksacks…

Rucksack in ausgelöstem Zustand

Ausgelöst haben wir den P.RIDE auf der Tour nicht. Einfacher Grund: Ein Lawinenabgang ist eine ernste Sache und wir wollten um jeden Preis vermeiden, dass uns ein anderer Sportler beobachtet, der die Intention hinter unserem Tun nicht kennt.

Ganz auf diesen elementaren Teil des Tests verzichtet haben wir aber natürlich auch nicht und uns den Spaß in ungefährlicher Umgebung gegönnt. Mit nicht einmal einer Sekunde Zeitverzögerung füllte sich nach meinem eigenen Airbag auch der Airbag meines Partners – Test bestanden. Das Einpacken nach einer (Probe)Auslösung ist weniger kompliziert, als bei anderen Systemen. Einfach den Airbag einrollen, hinter die Sicherheitsreißverschlüsse stecken und zuziehen – und schon ist man wieder einsatzbereit.

 

 

Mein persönliches Fazit

Der erste Eindruck war durchweg positiv und hat sich auch beim Schreiben dieses Textes nicht geändert. Der Rucksack fühlt sich ein paar Gramm schwerer an als mein privater Rucksack, aber bei dem „Rennen um den leichtesten Rucksack“ macht ABS bewusst nicht mit. Und Gewicht ist ja bekanntlich immer subjektiv – ich bin mit dem Rucksack weder im Schnee versunken, noch hatte ich Rückenschmerzen.

Detailansicht Hüftgurt

Die Verarbeitung hat mich durchweg überzeugt: keine losen Fäden, alle Teile sind durchdacht und qualitativ hochwertig, alle Träger sind sehr gut gepolstert (von der Rückenplatte über die Schulterträger bis hin zum Hüftgurt). Das Verschlusssystem von Hüftgurt und Schrittgurt ist aus Metall, hält also viel aus und lässt sich mit einem kleinen Klick öffnen. Der Airbag ist erkennbar aus einem Stück gewebt, somit können beim Auslösen keine Nähte kaputt gehen.

Die Idee hinter den Zip-on-Bags finde ich gut durchdacht. Mit der gleichen Base Unit kann man sowohl eine ganze Woche auf Tour gehen, als auch Tagesausflüge unternehmen – einfach das Zip-on wechseln! Einziges Manko: An der Verbindungsstelle zwischen Base Unit und Zip-on hätte ich mir größere Reißverschlüsse gewünscht. Mit meinen Fingern war das ein ziemliches Gefummel, bei Kälte am Parkplatz möchte ich das nicht machen müssen.

Beim Tragen gab mir der Rucksack ein gutes Gefühl. Kein Kneifen, kein Zwicken, kein Drücken. Alles hat gepasst, wie angegossen (und ich habe keine typische Adonis-Figur). Für mich persönlich ist der P.RIDE durchaus eine nächste Alternative. Ein weiterer Pluspunkt wäre natürlich, meine Tourenpartner würden sich ebenfalls für dieses System entscheiden.

Und nun zu euch: Falls ihr zu meinem Test noch offene Fragen habt, postet bitte einfach einen Kommentar in das dafür vorgesehene Feld unten. Dann helfe ich euch gerne weiter. Wenn ihr noch nicht ganz sicher seid und den P.RIDE persönlich testen möchtet, könnt ihr online ein Leihsystem bestellen. ABS schickt euch die Rucksäcke zu und ihr könnt als Gruppe geschützt das Hinterland erkunden. Viel Spaß!

 

SICHERHEITSHINWEIS: Das Tragen eines Lawinenrucksacks schützt nicht vor dem Abgang einer Lawine!

 

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