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Das Geheimnis des Alpenglühens

Habt ihr es auch schon einmal miterlebt und seid aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen? Das Alpenglühen – auf italienisch „Enrosadira“ genannt – klingt bereits wie eine Zauberformel und fasziniert jeden Naturliebhaber. Doch was steckt eigentlich hinter diesem wunderschönen Naturphänomen?

Die Berge „glühen“, wenn die untergehende Sonne ihre Hänge und Gipfel in warmes Licht taucht, während die tiefer gelegenen Täler schon im Schatten liegen. Soweit noch verständlich – nun zur Theorie.

© Mauro Battistelli

Das Licht der Sonne erscheint dem Betrachter zwar weiß, setzt sich aber in Wirklichkeit aus sämtlichen Regenbogenfarben zusammen. Dabei sind die elektromagnetischen Wellen der verschiedenen Farben unterschiedlich lang – bei Blau am kürzesten, bei Rot am längsten. Wenn das Sonnenlicht nun die Atmosphäre durchquert, wird es „gestreut“. Das bedeutet, dass es seine Farbe ändert, sobald es mit einem Gasmolekül zusammenstößt. Bei hohem Sonnenstand, also tagsüber, ist der Weg der Strahlen durch die Atmosphäre ziemlich kurz. Dann wird hauptsächlich kurzwelliges Licht gestreut und der Himmel erscheint blau. Sinkt die Sonne in der Abenddämmerung, wird der Weg der Strahlen wesentlich länger und der Anteil an rotem Licht so immer größer.

Dieses rote Licht wird dann besonders von hellen, glatten Flächen reflektiert. Und das wiederum klappt hervorragend, wo die Berge hoch genug sind und entweder aus möglichst hellem Gestein bestehen, oder sogar schneebedeckt sind.

 

Die Dolomiten: ein Logenplatz für das Alpenglühen

Das Alpenglühen als Tourenziel festzulegen, ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Zunächst wäre da die Suche nach dem richtigen Platz. Man sollte genügend Zeit für den Aufstieg mit einberechnen, außerdem muss das Wetter bis in die Abendstunden stimmen, denn es dürfen keine Wolken aufziehen, die die Sicht behindern.

Unmöglich ist es jedoch nicht. Einen besonders schönen Platz findet man beispielsweise auf dem Gipfel des Aldeiner Weißhorns. Der Aufstieg dauerte etwa eine Stunde und führte zunächst über einen gut befestigten Wiesenweg, dann durch einen Latschenwald in etwas felsigerem Gelände und schließlich über ein wenig Geröll zum Gipfelplateau. Ist der Aufstieg erst geschafft und Zeitpunkt und Wetter passend, genießt man eine fantastische Aussicht auf die sonnengetränkten Rosengarten- und Latemarspitzen. Und dazu eine leckere Südtiroler Brotzeit mit Speck, Käse und Rotwein – mehr kann man wirklich nicht wollen.

 

 

König Laurin und sein Garten

Was wäre solch ein Phänomen ohne die passende Legende? Im Fall des Alpenglühens sind wir in der Sagenlandschaft um den Rosengarten fündig geworden. Dort lebte einst der Zwergenkönig Laurin in einem Garten voller immer blühender Rosen. Laurin war unsterblich in Similde, die hübsche Tochter des Etscher Königs, verliebt. Doch als diese verheiratet werden sollte, wurde er schlichtweg übergangen.

So ging er unter einer Tarnkappe zum Fest, raubte die Braut und brachte sie in seinen Rosengarten. Die Krieger des Etscher Königs folgten ihm und fanden ihn schließlich. Sie konnten den Zwerg zwar nicht sehen, wohl aber die Rosen, hinter denen er sich versteckte und die sich bewegten. König Laurin verfluchte seinen Garten, weil er ihn verraten hatte, und schwor, dass niemand ihn jemals wieder sehen sollte – nicht am Tag und nicht in der Nacht. Doch er bedachte die Dämmerung nicht. Und so leuchtet der Rosengarten bis heute in der untergehenden Sonne.

Etwas zu kitschig? Das sind Legenden vermutlich immer. Das Alpenglühen – so haben wir uns entschieden – ist es nicht.

 

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